Montag, 21. Juli 2014

.: Eine personalisierte Kurzgeschichte von der lieben Autorin "Regina Mengel" ~ Für mich *.* :.

Hallo ihr Lieben...

Heute möchte ich voller Freude berichten, dass ich am Wochenende eine wundervolle e-Mail vom Buchportal für gute Bücher unabhängiger Autoren - qindie.de - erhalten habe, in der stand...

"...Wir (Roulette Facebookaktion) verschenken außer der Reihe personalisierte Kurzgeschichten an diejenigen, die sich als 150. und 200 anmelden und diejenigen, die diese Personen zum Gewinnspiel eingeladen haben.
Katja Ertelt ist die 150. Teilnehmerin und sie berichtete uns, dass du sie eingeladen hast. Daher bekommst auch du eine personalisierte Kurzgeschichte..."

Ich war einfach nur baff und habe mich riesig gefreut.
Ach was rede ich da... Sternchenaugen hatte ich *.*

Ich durfte mich zwischen Krimi und Liebesgeschichte entscheiden. Na für was habe ich mich wohl entschieden?! Genau. Die Liebesgeschichte, die auch einen Hauch von Fantasy enthält, was mir super gut gefallen hat. Die Besetzung der Namen meiner Freunde und Bekannte passen einfach klasse in diese Geschichte, was mir schöne und angenehme Gänsehaut verschafft hat <3


~ Doch zuerst eine kurze Vorstellung der Autorin - Regina Mengel ~

Regina Mengel wurde 1966 n. Chr., als gebürtige Wuppertalerin geboren und lebt heute, mit ihrem Mann, im schönen rheinländischen Köln. Bürokauffrau hat sie in ihren jungen Jahren erlernt, bildete sich zur Fremdsprachenkorrespondentin und zur Betriebswirtin weiter und darf heute auch den Beruf "Autorin" aufzählen.

Schon als Kind schrieb sie gerne Geschichten, da wundert man sich nicht, dass später auch mal ein Buch erscheinen muss. 2010 wurde es also ernst. Mit ihrem Debüt-Roman "Mysterien der Zeit" startete Regina im Mai 2011 richtig durch.

Auch Kurzgeschichten und Texte sind immer wieder ein wichtiges Thema in ihrem Leben. Aus dem Alltag holt sie sich all ihre Inspiration und nicht selten entstehen daraus neue Geschichten.
Neben dem Schreiben liest Regina auch sehr gerne. Geht gerne reisen und liebt die Natur.



~ Die Geschichte ~

Willkommen in Sehnsucht
Entfalten Sie sich
© Regina Mengel


   Susann Franziska Walter hasste ihren Namen. Sie schrieb ihn trotzdem. Mit der ihr angeborenen Konsequenz zeichnete sie Buchstabe für Buchstabe in die rechte obere Ecke des Arbeitsblattes. Die Mittagssonne schien durch die großen Sprossenfenster, zum ersten Mal in diesem Sommer, in dem es bisher ausschließlich Regentage gegeben hatte.
   Im Gegensatz zu ihren Mitschülern zog es Susann nicht nach draußen. Ihre Pflicht lag hier, genau hier, in diesem Klassenzimmer, in dem sie nun das unermüdlich Geübte zu Papier zu bringen gedachte. Selbstverständlich würde auch diese Klausur mit einer Eins benotet werden.
   Die Lehrer hielten große Stücke auf Susann, ihre Eltern lobten ihren Gehorsam, und ihre Freunde hätten sicher ihre Loyalität zu schätzen gewusst. Doch Susann hatte keine Freunde. Das mochte daran liegen, dass sie die Menschen im gleichen Maße ignorierte, wie diese Susann zu übersehen schienen. Sie kannte es nicht anders und spürte weder ein Defizit noch das Verlangen nach Veränderung.
   Doch nun, kurz vor ihrem 18. Geburtstag, kam dieser Tag. Der Tag, an dem sie stehen blieb.

Susann hatte die Klausur pünktlich abgegeben, die Schulglocke hatte das Ende des Unterrichts angezeigt, und Susann befand sich auf den Weg nach Hause. Ihr Heimweg führte sie mitten durch die Altstadt, direkt am Dom vorüber.
   Der Platz lag im Licht des Sommertages. Vor der Kirche drängelten sich die Menschen. Susann schnaubte: Wie jeden Sommer lungerten hier Künstler herum, drängten den Vorbeigehenden Musik auf oder führten Artistik vor. Für gewöhnlich missachtete Susann das fahrende Volk und eilte
mit gesenktem Kopf vorüber. Wenn sie diese Leute ansähe, würde sie doch nichts anderes erblicken, als eine Ansammlung von Taugenichtsen.
   Heute jedoch war alles anders. Sonnenstrahlen kitzelten Susanns Nase und entlockten ihr ein ungeplantes Lächeln. Sie blieb stehen und schaute auf. Ihr Blick fiel geradewegs auf einen Jongleur, der ein Stück von ihrer Position entfernt, seine Kunststücke vorführte.
   „Kommen Sie näher, kommen Sie näher“, rief er mit tiefer Stimme den Umstehenden zu. „Ich bin Moe und möchte Ihnen meine Kunst vorführen.“
   Um ihn herum scharten sich die Zuschauer, ihre Gesichter verrieten Verblüffung und ihr Applaus Bewunderung.
   Doch nicht die Darbietung des jungen Mannes erweckte Susanns Aufmerksamkeit, sondern seine hellblauen Augen. Auch sein Name brachte eine Saite in ihr zum Klingen. Moe! Ein besonderer Name. Bereits aus der Ferne spürte sie, dass Moe - in ihren Gedanken nannte sie ihn beim Namen - sie ansah. Zaghaft näherte sie sich seiner Position. Moes Kleidung, eine bunte Ansammlung von Farben und Stilen, schreckte sie ab. Auf dem Kopf trug er eine Art Turban, statt Hosen einen Schottenrock, dazu einen gebatikten Kaftan und eine Fransenweste. Susann schüttelte sich. Mit solch einem wollte sie nichts zu tun haben. Doch anstatt in einem weiten Bogen um ihn herumzugehen, schritt sie langsam auf Moe zu.
   Der Gaukler sah sie an. Seine Augen... - sie wollte wegsehen, aber es gelang ihr nicht. Ohne es sich bewusst zu sein, setzte sie einen Fuß vor den anderen. Je näher sie Moe kam, desto dichter standen die Menschen beieinander. Sie versperrten ihr den Weg. Mit den Ellenbogen kämpfte sie sich hindurch. Einen Moment lang verlor sie Moe aus den Augen. Trotzdem spürte sie seine Blicke. Sie schob sich vorwärts, zwängte sich an den anderen Zuschauern vorbei. Ein innerer Drang ließ sie erst innehalten, als sie endlich die erste Reihe erreicht hatte. Dort blieb sie stehen.
   Sie starrte ihn an. Ohne jedes Gefühl für die vergehende Zeit harrte sie aus. Die Nachmittagshitze zog vorüber, wich den wärmenden Strahlen der Abendsonne, die Schatten wurden länger und schließlich setzte die Dämmerung ein. Von all dem bemerkte Susann nichts, ihre Sinne waren einzig auf den jungen Mann gerichtet, der wenige Meter von ihr entfernt seine Kunst vorführte. Mit geschmeidigen Bewegungen ließ er Bälle, Keulen oder Diabolos fliegen, hielt sie mit geschickten Händen in der Luft oder zeichnete Bilder in den Himmel. Und immer wieder sah er Susann an, sein Lächeln brannte ihr Herz, wie die Sommersonne ihre Haut verbrannte.

   Er hatte die Keulen zur Seite gelegt und jonglierte nun mit Feuerstäben. Die Flammen rotierten, Funkenschauer rieselten herab. Wieder und wieder fing Moe die Stäbe und warf sie erneut. Susann starrte in das Feuer, das flackernde Licht zog sie in Bann.
   Die Dunkelheit brach herein. Immer noch wirbelten die Flammen. Susann rührte sich nicht. Erst als Moe die Fackeln löschte, erwachte sie aus ihrer Trance. Sie sah sich um und erschrak. Wo waren die Zuschauer geblieben? Wieso stand sie ganz allein? Sie blinzelte, doch das Bild veränderte sich nicht: Der Platz lag menschenleer da, niemand war zu sehen, nur sie und der Gaukler, der gerade Keulen und Bälle in seinem Rucksack verstaute.
   Susann betrachtete ihn. Sie wusste, sie sollte nach Hause gehen. Ihre Eltern, Christa und Peter Lubda, die besten Eltern der Welt, warteten auf sie. Der Jongleur erhob sich. Eine Sekunde lang ruhte sein Blick auf Susann, dann wandte er sich wortlos ab und schritt davon.
   Etwas in Susann zersprang. Nein, wollte sie schreien, du kannst mich nicht zurücklassen. Doch sie beherrschte sich. Es gehörte sich nicht, Fremden hinterher zu rufen, einem Mann schon gar nicht. Das Beste wäre, sie ginge heim. Es kostete Kraft, sich von seinem Anblick zu lösen, doch schließlich gelang es ihr.
   Sie setzte sich in Bewegung. Als sie das Ende des Platzes erreichte, atmete sie auf. Das Gehen fiel ihr nun leichter. Sie blickte zu Boden und stapfte voran, bald würde sie das Haus, in dem ihre Familie wohnte, erreichen.
   Als sie aufsah, stand sie vor dem Bahnhofsgebäude. Verwirrt schaute sie sich um. Der Bahnhof lag entgegengesetzt ihres Weges, sie war in die falsche Richtung gegangen. Gerade als sie sich umwenden wollte, um erneut den Heimweg anzutreten, entdeckte sie Moe. Er ging an ihr vorbei über den Bahnhofsvorplatz und betrat das Gebäude. Ohne nachzudenken, folgte sie ihm. Es war nicht leicht, Moe in der überfüllten Bahnhofshalle, im Auge zu behalten. Vor dem Fahrkartenschalter hielt er an. Wohin er wohl fuhr? Sie konnte nicht sagen, warum sie das interessierte. Doch ohne es zu wissen, durfte sie nicht gehen. Eine Frau stellte sich an. Eilig reihte Susanna sich ebenfalls ein, ehe noch weitere Leute vor ihr zu stehen kämen.
   Als der Jongleur an die Reihe kam, beugte sie sich vor und sprach mit der Dame hinter der Glasscheibe. Ein Lautsprecher knackte. „Der Zug nach Winterhagen, avisiert für 23 Uhr, fährt heute ausnahmsweise nicht von Gleis drei ab, sondern von Gleis fünf.“ Ärgerlich, die Durchsage hatte Moes Worte übertönt. Wie sollte Susann nun herausfinden, wohin er wollte?
   „Bitte? Wohin?“ Die Frau hinter dem Schalter wirkte gestresst. An ihrer Brust heftete ein Plastikschild. Alexandra Wölfel stand darauf.
   „Wohin?“, fragte sie Susann zögerte.
  „Ich möchte bitte die gleiche Fahrkarte, wie der Artist.“ Sie schrak zusammen. Hatte sie das tatsächlich gerade zu dieser Frau Wölfel gesagt?
   „Welcher Artist?“
   „Er stand zwei Plätze vor mir.“
  „Ah.“ Alexandra Wölfel tippte etwas in den Computer. Gleich darauf spuckte ein Drucker das Ticket aus. „Neunundzwanzig Euro“, sagte sie tonlos.
   Susann beeilte sich, zu bezahlen. Dann studierte sie die Fahrkarte. Natürlich hatte sie keineswegs die Absicht, ebenfalls in den Zug zu steigen, sie wollte lediglich wissen, wohin Moe fuhr. „Sehnsucht“, hieß der Bahnhof. Welch ein merkwürdiger Name. Andererseits hatte sie kürzlich von einem Dorf namens Abentheuer gelesen. Warum also sollte ein Ort nicht Sehnsucht heißen? Eine erneute Durchsage riss Susann aus den Gedanken.
   „Auf Gleis fünf fährt ein, der Zug Nummer 432 über Sehnsucht nach Winterhagen.“
   Sie sah sich um, konnte jedoch in der Bahnhofshalle keine Spur des Gauklers entdecken. Sicher stand Moe längst oben am Gleis und wartete auf die Einfahrt des Zuges. Wenn sie ihn vor der Abfahrt noch einmal sehen wollte, musste sie sich sputen. Susann rannte los, sie schob einige Touristen zur Seite, bog in den Aufgang zu Gleis fünf ein und stürmte die Stufen hinauf.
   Wenn ihre Eltern sie so sähen, ein solches Benehmen hatten sie ihr nicht beigebracht. Christa und Peter Lubda wären entsetzt. Als Susann sich ihres Verhaltens bewusst wurde, blieb sie stehen.
   Der Zug fuhr ein. Doch wo war Moe? Susann sah sich um, sie entdeckte ihn nirgends. Panik ergriff Susann, sie musste Moenoch einmal sehen. Doch sie fand ihn nirgends. Der Bahnsteig leerte sich. Die letzten Wartenden standen an den Türen der Wagons, bereit jeden Moment einzusteigen.
   Susann knabberte an der Unterlippe. Vor all diesen Menschen lag ein Ziel. Nur sie allein würde am Gleis zurückbleiben. Ein fremdartiges Gefühl breitete sich in ihr aus - Einsamkeit? Verlassenheit? Sie vermochte es nicht zu erklären, es nagte und zupfte an ihrem Inneren.
   Ihr Blick fiel auf eine offene Waggontür. Von dem Durchgang schien ein Sog auszugehen. Die merkwürdige Anziehungskraft zerrte an ihr. Langsam näherte sich Susann der Öffnung. Ein Pfiff tönte über den Bahnsteig. Sie wusste, was das bedeutete. Nur noch eine Minute. Mit ein paar schnellen Schritten erreichte sie den Einstieg. Unmittelbar hinter ihr schlossen sich die Türen.
Ratternd fuhr der Zug an. Unschlüssig stand Susann da. Schließlich entschied sie sich für den Gang, der nach rechts abzweigte. Auf der Suche nach einem Platz spähte sie in jedes Abteil. Hin und wieder sah sie einen freien Sitz, doch stets ging sie weiter. Gründe dafür fand sie genug. Sie gestand sich nicht ein, dass sie in Wirklichkeit Moe Ausschau hielt.
   Es dauerte eine Weile, bis sie den Jongleur schließlich entdeckte. Zwei freie Plätze bot das Abteil. Sie trat ein und ließ sich auf der Kante des Sitzes neben ihm nieder. Im Gepäckfach, direkt über ihr, lag sein Rucksack. Skeptisch schaute sie nach oben.
   „Keine Angst, der liegt bombenfest.“
   Susann zuckte zusammen. Himmel, er hatte sie angesprochen. Sie wagte nicht, ihm zu antworten. Immerhin gelang ihr ein Lächeln. Für einen kurzen Moment fing er ihren Blick ein, doch sie löste den Augenkontakt und sah zu Boden.
   Eine Stunde dauerte die Fahrt. Endlich kam die Durchsage: „In wenigen Minuten erreichen wir Sehnsucht. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts.“
   Der Jongleur erhob sich, zog den Rucksack aus der Ablage und verließ das Abteil. Als er die Tür hinter sich schloss, winkte er Susann zu.
   Das Tempo des Zuges verlangsamte sich. Unschlüssig starrte Susann ihr Ticket an. Die Strecke war nur bis hierher bezahlt. Nun musste sie aussteigen und sich eine Rückfahrkarte kaufen. Sie stand auf und ging zum Ausgang. Die Bremsen quietschten. Mit einem Ruck kam der Zug zum Stehen. Es knirschte und die Türen öffneten sich. Susann stieg aus und sah sich um. Ein paar Meter weiter entdeckte sie Moe im Schein der Laternen, er strebte dem Bahnhofsgebäude entgegen.
  Unschlüssig blieb Susann stehen. Einen Augenblick lang schaute sie dem Zug nach, wie er allmählich mit dem Horizont verschmolz. Schließlich wandte sie sich um und folgte dem Jongleur in die Halle.
Der Raum war leer. Nicht einmal ein Schalterbeamter fand sich darin. Wohin war Moe entschwunden? Sie sah sich nach einem Fahrkartenautomaten um - Nichts - nur kahle Wände, die speckig glänzten.
   Sie trat zurück auf den Bahnsteig, um einen Blick auf den Fahrplan zu werfen. Doch da war kein Bahnsteig mehr. Weg, einfach weg. Was ging hier vor? Ein Bahnsteig verschwand doch nicht plötzlich. Susann schüttelte den Kopf. Sie drehte sich um und schrie auf. Vor ihr lag eine staubige Straße. Nirgends war ein Haus zu sehen. Nur ein Schild in Form eines Pfeils zeigte nach links. „Sehnsucht“, stand in blinkenden Buchstaben darauf.
   Es muss sich um einen Traum handeln, dachte sie. Bestimmt wache ich bald auf und der Spuk ist vorüber. Dennoch fürchtete sie sich, sie konnte sich nicht erinnern, jemals etwas derart Merkwürdiges geträumt zu haben.
   Allein, gestrandet im Nirgendwo, entschied sie sich, dem Wegweiser zu folgen. Was hätte sie auch anderes tun sollen?
   Die Straße schien sich endlos hinzuziehen. Stundenlang stapfte sie in der Dunkelheit voran, doch weder ein Licht noch ein weiteres Schild deuteten darauf hin, dass sie sich einem Ort näherte. Mit der Zeit bekam sie Durst und Hunger. Mit der Zeit wuchs auch ihre Angst. Was, wenn sie aus diesem Traum nicht erwachen würde?
Endlich tauchten am Horizont Lichter auf. Susann beschleunigte ihre Schritte und bald darauf entdeckte sie am Straßenrand eine Tafel.

„Willkommen in Sehnsucht.
Entfalten Sie sich.“

Eine seltsame Aufschrift. Was mochte das bedeuten?
   Susann Magen knurrte. Sie sah sich um. Etwa hundert Meter weiter blinkte die Leuchtreklame einer Bar - „Mintie – Evils Bar“. Unter normalen Umständen hätte Susann niemals ein solches Etablissement betreten, doch heute warf sie alle Bedenken über Bord.
   Das Innere des Gebäudes überraschte Susann. Sie hatte schmuddelige Tapeten erwartet und abgehalfterte Kerle, die am Tresen auf Barhockern saßen und eine Barfrau begafften. Doch stattdessen fand sie sich in einem mintgrünen Meer wieder. Die Wände waren mit mintgrünem Taft verkleidet, der Boden mintgrün lackiert, etwa zehn mintgrüne Tische mit jeweils vier mintgrünen Stühlen standen herum und eine Frau in einem mintgrünen Taftkleid lächelte ihr entgegen.
   „Bitte“, sagte die Frau. „Nehmen Sie Platz. Ich bin Evil. Was darf ich Ihnen bringen?“
   Verunsichert setzte sich Susann an einen Tisch. Wo war sie hier nur gelandet? Diese Frau namens Evil verwirrte sie. Ein solch grundböser Name und doch wirkte sie, als habe sie ein Herz aus Gold. Oder eines aus Pfefferminz? Es würde Susann nicht wundern, bei dieser Anhäufung an Mintgrün um sie herum.
   „Ich nehme eine Limonade“, sagte Susann zögernd, „und etwas zum Essen. Was können Sie anbieten?“
   „Einen Moment. “Evil verschwand in der Küche und kehrte nach wenigen Minuten mit einem Glas, gefüllt mit einer grünlichen Flüssigkeit, und einer Speisekarte zurück. Susann betrachtete das Getränk misstrauisch. Vorsichtig nippte sie daran - sauer, aber erfrischend. Sie schlug die Karte auf und las.
   Die Speisen trugen seltsame Namen, deren Bedeutung Susann nicht verstand. Sie winkte Evil heran.
   „Sind Sie so nett und erklären mir die Karte? Was zum Beispiel bekomme ich, wenn ich Ruhe bestelle?“
   „Genau das, was der Name sagt. Wenn Sie Appetit auf Ruhe haben, dann bestellen Sie dieses Gericht. Ruhe wird als Burger serviert, und als Beilage können Sie zwischen Geduld und Schlaf wählen.“
   Susann runzelte die Stirn. Was für ein Unsinn - sie musste tatsächlich mitten in einem seltsamen Traum stecken.
   „Und was bedeutet Sommerliebe?“
   Jetzt lächelte Evil herzlich.
   „Eine gute Wahl, ein Menu. Genau richtig für Sie. Als Vorspeise servieren wir Selbstwertgefühl, als Hauptspeise Glück, dazu Zufriedenheit und eine große Portion Reichtum. Den krönenden Abschluss aber bietet der Nachtisch, die Liebe garniert mit einem Hauch sonnengebräunter Zimtsahne.“
   Susann traute ihren Ohren nicht. Anderseits, wenn sie nun schon einmal da war - warum also nicht?
   „Gut“, sagte sie. „Dann folge ich Ihrer Empfehlung.“ Sie lehnte sich zurück und wartete. Nach zwanzig Minuten brachte Evil die Vorspeise. Es war eine mintgrüne Suppe. Susann lachte. Welche Farbe hätte das Gericht auch sonst haben sollen? Langsam begann Susann die Sache, Spaß zu machen. Sie kostete die Suppe. „Hm, hervorragend“. Sie spürte, wie der Hunger nachließ und sich eine angenehme Wärme in ihrem Magen ausbreitete. Konnte man eigentlich auch schmecken im Traum?
   Sie hatte kaum aufgegessen, da servierte Evil schon das Hauptgericht. Ein grünes Ragout mit Kräutern und Gemüse. Es schmeckte ebenfalls wunderbar. Susann strahlte, sie fühlte sich wohl. Zwar wunderte sie sich zunächst, dass ein Essen ausreichte, um dieses Glücksgefühl zu erzeugen, doch dann genoss sie den Moment. Ihre Angst war längst vergessen.
   Der Nachtisch wurde gebracht. Ein gedünsteter Apfel in grüner Schale lag auf dem Teller und tatsächlich entdeckte Susann daneben einen winzigen hellbraunen Klecks, die Zimtsahne. Eigentlich war sie längst satt, doch der Apfel duftete verlockend und so aß sie weiter, bis sie den Teller geleert hatte.
   „Hat es geschmeckt?“ Evil trat heran und räumte das Geschirr ab.
   „Ausgezeichnet. Was bin ich Ihnen schuldig?“
   „Das geht auf‘s Haus.“
  „Aber nein, ich möchte das gern bezahlen.“ Susann zog ihr Portemonnaie hervor. Es war ungewöhnlich schwer. Sie öffnete es. Ein dickes Geldbündel, das vorher nicht darin gewesen war, steckte im hinteren Fach. Was für ein Traum.
   „Hm“, räusperte sich Evil. „Hören Sie, Sie sollten sich beeilen. Gerade die Sommerliebe ist ein empfindliches Gewächs. Man lässt sie nicht dürsten. Zu schnell geht der Sommer vorüber und die Liebe verblüht.“
   Sie zog Susann von ihrem Stuhl hoch und schob sie vor sich her zum Ausgang. Susann wollte protestieren, doch ehe sie blinzeln konnte, fand sie sich schon auf der Straße wieder. Es war nicht im eigentlichen Sinne eine Straße, sondern vielmehr ein Platz, mitten in der Altstadt, direkt am Dom.

   Der Platz lag im Licht eines wunderschönen Sommertages. Sonnenstrahlen kitzelten Susanns Nase und entlockten ihr ein ungeplantes Lächeln. Sie blieb stehen und schaute auf. Ihr Blick fiel geradewegs auf einen Jongleur, der ein Stück von ihrer Position entfernt, seine Kunststücke vorführte.
   „Kommen Sie näher, kommen Sie näher“, rief er mit tiefer Stimme den Umstehenden zu. „Ich bin Moe und möchte Ihnen meine Kunst vorführen.“
   Um ihn herum scharten sich die Zuschauer, ihre Gesichter verrieten Verblüffung und ihr Applaus Bewunderung.
Doch nicht die Darbietung des jungen Mannes erweckte Susanns Aufmerksamkeit, sondern seine hellblauen Augen. Auch sein Name brachte eine Saite in ihr zum Klingen. Moe! Ein besonderer Name. Bereits aus der Ferne spürte sie, dass Moe - in ihren Gedanken nannte sie ihn beim Namen - sie ansah.
   Langsam schritt sie auf ihn zu, kämpfte sich durch die Zuschauer, bis sie die erste Reihe erreicht hatte. Dort blieb sie stehen.
   Sie starrte ihn an. Ohne jedes Gefühl für die vergehende Zeit harrte sie aus. Die Nachmittagshitze zog vorüber, wich den wärmenden Strahlen der Abendsonne, die Schatten wurden länger und schließlich setzte die Dämmerung ein. Von all dem bemerkte Susann nichts, ihre Sinne waren einzig auf den jungen Mann gerichtet, der wenige Meter von ihr entfernt seine Kunst vorführte. Mit geschmeidigen Bewegungen ließ er Bälle, Keulen oder Diabolos fliegen, hielt sie mit geschickten Händen in der Luft oder zeichnete Bilder in den Himmel.
   Und immer wieder sah er Susann an, sein Lächeln brannte ihr Herz, wie die Sommersonne ihre Haut verbrannte.

   Er hatte die Keulen zur Seite gelegt und jonglierte nun mit Feuerstäben. Die Flammen rotierten, Funkenschauer rieselten herab. Wieder und wieder fing Moe die Stäbe und warf sie erneut. Susann starrte in das Feuer, das flackernde Licht zog sie in Bann.
Die Dunkelheit brach herein. Immer noch wirbelten die Flammen. Susann rührte sich nicht. Erst als Moe die Fackeln löschte, erwachte sie aus ihrer Trance. Der Platz lag menschenleer da, niemand war zu sehen, nur sie und der Gaukler. Sie betrachtete ihn. Er erhob sich. Eine Sekunde lang ruhte sein Blick auf Susann, ein liebevoller Blick. Die Wärme und Helligkeit eines Sommertages lagen darin.
   „Kommst du?“, fragte er und hielt ihr die Hand entgegen.
  Etwas in ihr sang. Sie trat auf ihn zu. Hand in Hand verließen sie den Platz. Und ohne sich umzudrehen, tauchten sie ein, in die Geheimnisse, die diese Sommernacht für sie bereithalten mochte.


Willkommen in Sehnsucht
Entfalten Sie sich Susann - Spezial
© Regina Mengel


 ~ Mitwirkende ~

Die Hauptfigur: 
Susann Franziska Walter = Alias Hannie Bunnie ;-) Eine liebe Bloggerfreundin, die ich auf der Leipziger Buchmesse kennengelernt und seither auch nicht mehr los bekommen habe <3
~ Zitat ~
"Susann Franziska Walter hasste ihren Namen. Sie schrieb ihn trotzdem."
Der erste Satz... passender geht einfach nicht :D (Wie du weiß gefällt mir dein Name sehr :* )


Der Gaukler:
Moe = Einfach nur Moe ^^


Die Schalterbeamtin: 
Alexandra Wölfel = Auch eine liebe Bloggerkollegin, die immer an meinen Beiträgen interessiert ist und auch immer ganz liebe Kommentare hinterlässt. Alex ist ein Goldschatz und hat es verdient in dieser Geschichte einen Platz zu bekommen :*


Die Eltern:
Christa und Peter Lubda = Meine Schwiegereltern. Der Nachname ist von einem lieben Kumpel, der auch gute Bücher und Serien liebt.


Die beste "Barbesitzerin" der Welt:
  • Eva alias Evil = Eva is einfach teuflisch lieb und meine beste Freundin ;-)
~ Zitat ~
"Diese Frau namens Evil verwirrte sie. Ein solch grundböser Name und doch wirkte sie, als habe sie ein Herz aus Gold. Oder eines aus Pfefferminz? Es würde Susann nicht wundern, bei dieser Anhäufung an Mintgrün um sie herum."

Ich hätte "sie" nicht besser beschreiben können *.*


~ Kurzrezi ~

Eine fantasyangehauchte Liebesgeschichte!
Genau mein Geschmack. Solche Storys lese ich leidenschaftlich gerne.

Die Idee, Gefühle zum Essen bestellen zu können, ist genial. Wenn es doch wirklich so einfach wäre... dann bitte eine Portion "Gemütlichkeit"

Ich vergebe die Goldene TARDIS :D



Großen Dank an die liebe Autorin - Regina Mengel - für diese tolle Geschichte. Und vielen Dank auch für die Möglichkeit, in diesem Sinne Danke an meine Lieben zu sagen. Es ist mal eine ganz andere Art, sich bei seinen Freunden zu bedanken. Ich hoffe es freut euch, euren Namen zu lesen ;-)


Liebe Grüße eure Sasija aus der TARDIS ♥

Kommentare:

  1. Was für eine schöne Geschichte!!!
    Und mein Name steht drin ♥ Das find ich ja total süß von dir ;)
    Eine tolle Aktion und meinen Glückwunsch, dass du diese Special gewonnen hast.

    Vielen Dank, bin echt gerührt, da fehlen mir glatt die Worte ^^

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    1. Ohhhh das freut mich seeeeehr...

      Erstens, weil es dir gefällt! Und zweitens, dass ich dich sprachlos gemacht habe :D
      WUNDERVOLL :*

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  2. Du, ich glaub da steht mein Name o.o
    Ich weine gleich! Eine wirklich total schöne Geschichte. Am liebsten hätte ich noch ewig weitergelesen.

    Danke mein Sassilein! :*
    <3

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    1. Du passt soooo perfekt in diese Hauptrolle, Bannielein. Nicht nur dein Name. Nein. Auch deine ganze Person konnte ich mir wunderbar vorstellen. Alles ist sooo toll. Hatte die ganze Zeit ein breites Grinsen im Gesicht und war mir sicher, dass es dir gefallen wird.

      Danke das ich mir deinen schönen Namen dieben durfte und das du die Rolle so toll übernommen hast :* Und danke auch, das du immer ein offenes Ohr hast. Schätze das sehr. Fühl dich gedrückt *knuddel*

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  3. Für dich immer, mein Sassilein! Danke dass ich in der Geschichte sein durfte!!! :*

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    1. An zwei Namen dachte ich sofort, als ich die erste e-Mail bekam... Da wusste ich noch nicht mal welche Protagonisten in der Geschichte auftauchen :D

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  4. Einfach nur zauberhaft :* auch ich danke dir für die Ehre in deiner Geschichte auftauchen zu dürfen. Ich musste sie heut morgen direkt nochmal lesen und bin noch immer ganz begeistert!

    <3

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    1. Hab sie auch dreimal gelesen :D
      Es is soooo toll, eure Namen darin zu lesen <3

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  5. Liebe Sasija, liebe alle, liebe Namensgeber. Ich freue mich sagenhaft, dass ihr meine kleine Geschichte alle so mögt. Was kann man sich als Autorin anderes wünschen. Herzliche Grüße vom Schreibtisch sendet Regina Mengel.

    P.S. Meine zuletzt geschriebenen Zeilen aus dem gerade entstehenden Buch lauten: "Ach du Scheiße! Oh nein! Ich schnappte nach Luft. Ausgerechnet hier musste ich aufwachen. Wie war ich nur in dieses Bett gekommen? Mein Gedächtnis wies dort, wo die Erinnerung an die gestrige Nacht hätte sein sollen, ein schwarzes Loch auf. Und dieses Weltraummonster sog nun obendrein meine Fähigkeit klar zu denken in sich auf."

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    1. ich kann mich für die erschreckend gute Beschreibung als "Evil" begeistern :) Danke für die tolle Story :)

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Herzlisch Willkommen :D
Schreibt was dat Zeuch hält und habt Spaß dabei.

Liebe Grüße eure Sassi @-->--